Wer eine Solaranlage auf dem Dach hat, kennt den Rat: Große Verbraucher in die Mittagsstunden legen. Das klingt einfach, scheitert im Alltag aber oft an den Geräten selbst. Die Waschmaschine lässt sich problemlos verschieben, der Backofen nur, wenn man mittags auch kocht, und die Siebträgermaschine will morgens um sieben heiß sein — lange bevor die Module nennenswert Strom liefern. Dieser Beitrag geht die typischen Großverbraucher im Haushalt einzeln durch: Welche lassen sich in die Sonne legen, welche nur teilweise, und wo hilft Technik wie Zeitschaltung oder Speicher wirklich weiter?
Erst messen, dann verschieben
Bevor Sie Gewohnheiten umstellen, lohnt ein Blick darauf, was ein Gerät tatsächlich zieht. Zwei Größen sind dabei zu unterscheiden: die Leistung in Watt, also wie viel das Gerät in einem Moment braucht, und die Energie in Kilowattstunden, also wie viel über den ganzen Betrieb zusammenkommt. Ein Wasserkocher hat eine hohe Leistung, läuft aber nur wenige Minuten. Ein Kühlschrank hat eine geringe Leistung, läuft aber rund um die Uhr. Für die Frage, ob sich das Verschieben lohnt, zählt vor allem die Energie pro Durchgang.
Die Nennleistung steht auf dem Typenschild. Genauer wird es mit einem Zwischenstecker-Messgerät, das den Verbrauch über einen ganzen Durchgang aufzeichnet. Die App zum Wechselrichter zeigt zudem, wann tagsüber genug Überschuss anfällt — im Juni anders als im November.
Waschmaschine, Trockner, Spülmaschine: die einfachen Fälle
Diese drei Geräte lassen sich am leichtesten verlegen, weil das Ergebnis nicht sofort gebraucht wird. Fast alle neueren Modelle haben eine Startzeitvorwahl oder eine Funktion „fertig in … Stunden“. Ein Detail wird dabei oft übersehen: Der größte Teil des Stroms fließt beim Aufheizen des Wassers, und das passiert in den ersten Minuten eines Programms. Wer die Maschine so programmiert, dass sie um 15 Uhr fertig ist, heizt unter Umständen erst am späten Mittag auf. Besser ist es, den Start so zu legen, dass die Heizphase in die ertragsstarke Zeit fällt.
Zwei Hinweise aus der Praxis: Nasse Wäsche sollte nicht stundenlang in der Trommel liegen. Wer morgens aus dem Haus geht und abends zurückkommt, wählt deshalb lieber einen Start am frühen Mittag statt am Vormittag.
Backofen und Kochfeld: verschiebbar nur mit dem Speiseplan
Backofen und Kochfeld gehören zu den leistungsstärksten Geräten im Haushalt, sind aber fest an Mahlzeiten gebunden. Eine Zeitschaltung hilft hier kaum, und ein Zwischenstecker kommt ohnehin nicht in Frage: Herde sind in der Regel fest angeschlossen, Eingriffe in diese Leitungen gehören in die Hand eines Elektrofachbetriebs.
Was trotzdem funktioniert, ist eine Frage der Organisation. Am Wochenende oder im Homeoffice lässt sich mittags kochen statt abends. Wer gern vorkocht, kann Brot, Aufläufe oder größere Mengen für die Woche in den Mittagsstunden backen und abends nur aufwärmen — idealerweise in der Mikrowelle, die für kleine Portionen deutlich weniger Energie braucht als ein vorgeheizter Ofen.
Siebträgermaschine: der schwierigste Kandidat
Siebträgermaschinen sind ein gutes Beispiel dafür, dass nicht jeder Verbrauch verschiebbar ist. Viele Geräte brauchen nach dem Einschalten eine Weile, bis Kessel und Brühgruppe auf Temperatur sind; bei Maschinen mit großem Kessel oder zwei Kesseln kann das spürbar länger dauern. Die Heizung zieht dabei kurzzeitig viel Leistung. Läuft die Maschine danach stundenlang im Bereitschaftsbetrieb, hält sie die Temperatur und heizt immer wieder nach — das summiert sich über den Tag.
Für den Solarstrom bedeutet das: Der Morgenkaffee kommt fast immer aus dem Netz oder aus dem Speicher, denn um diese Zeit liefert eine Anlage noch wenig. Spielraum gibt es an anderer Stelle:
- Bereitschaft begrenzen: Viele Maschinen haben eine Abschaltautomatik oder einen Eco-Modus. Wer sie nutzt, statt die Maschine den ganzen Vormittag warm zu halten, spart unabhängig von der Uhrzeit.
- Den zweiten Kaffee in die Mittagszeit legen: Wer zu Hause arbeitet, kann die Maschine nach dem Frühstück ausschalten und erst mittags wieder einschalten — dann deckt die Anlage an sonnigen Tagen den Aufheizvorgang.
- Zeitschaltung nur nach Herstellerangabe: Einige Maschinen haben eine eingebaute Einschaltzeit. Ob sich ein Gerät über eine externe Zeitschaltuhr oder eine smarte Steckdose schalten lässt, hängt vom Modell ab; manche starten nach Stromunterbrechung nicht selbst oder sollten so nicht betrieben werden. Ein Blick in die Bedienungsanleitung klärt das.
Wie oft eine Maschine aufheizen muss, hängt auch davon ab, wie man mit ihr arbeitet. Wer Mahlgrad und Dosis sicher einstellen kann, braucht weniger Fehlbezüge und spült weniger nach. Für Haushalte in München und Umgebung gibt es dafür etwa einen Kurs rund um den Espresso, in dem Mühle und Maschine fein eingestellt und typische Fehler erkannt werden.
Zeitschaltung: was sie leistet und wo sie endet
Für verschiebbare Verbraucher gibt es drei Stufen der Automatisierung:
- Startzeitvorwahl am Gerät: kostenlos und für Wasch- und Spülmaschine meist ausreichend. Nachteil: Sie richtet sich nach der Uhr, nicht nach der Sonne. An bewölkten Tagen läuft das Gerät trotzdem.
- Smarte Steckdose mit Überschusssteuerung: Manche Systeme schalten erst, wenn der Wechselrichter einen bestimmten Überschuss meldet. Das funktioniert nur bei Geräten, die nach dem Einschalten von selbst weiterlaufen, und nur innerhalb der zulässigen Last der Steckdose.
- Energiemanagement: Ein System, das am Netzanschluss misst und mehrere Verbraucher nach Priorität zuschaltet. Das lohnt sich eher, wenn mehrere steuerbare Großverbraucher wie Wallbox oder Wärmepumpe im Haus sind.
Einen Überblick über weitere Maßnahmen, die ganz ohne Batterie auskommen, gibt unser Beitrag Eigenverbrauch erhöhen ohne Speicher.
Und der Speicher?
Ein Batteriespeicher ist die Antwort auf genau die Verbraucher, die sich nicht verschieben lassen: Morgenkaffee, Abendessen, Licht und Fernseher am Abend. Bei der Planung wird aber oft nur auf die Kapazität in Kilowattstunden geschaut. Für Geräte mit hoher Leistung zählt zusätzlich, wie viel Leistung der Speicher und sein Wechselrichter gleichzeitig abgeben können. Laufen morgens Wasserkocher und Siebträgermaschine zugleich an, kann ein Teil davon trotz vollem Speicher aus dem Netz kommen, wenn die Entladeleistung nicht reicht. Diese Angabe steht im Datenblatt und gehört ins Gespräch mit dem Fachbetrieb.
Gleichzeitig gilt: Je mehr Sie tagsüber direkt verbrauchen, desto weniger muss der Speicher leisten. Wer Wäsche und Spülmaschine konsequent in die Sonne legt, kommt oft mit einer kleineren Batterie aus. Wie Sie die passende Größe abschätzen, steht im Beitrag zum Dimensionieren von Stromspeichern.
Realistisch bleiben
Nicht jeder Haushalt kann seinen Tag nach der Sonne ausrichten. Wer werktags außer Haus arbeitet, wird vor allem Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine verschieben und den Rest dem Wochenende überlassen. Im Winter ist der Überschuss mittags ohnehin oft zu gering, um große Geräte zu decken. Die Zeitvorwahl kostet trotzdem keinen Aufwand. Wer dagegen eine neue Anlage plant, sollte die eigenen Gewohnheiten von Anfang an in die Auslegung einbeziehen: Wann wird gekocht, wann gewaschen, wann ist jemand zu Hause? Daraus ergibt sich, ob ein Speicher sinnvoll ist und wie groß er sein muss.
