Zurück zum Ratgeber
Ratgeber

Stromspeicher richtig dimensionieren — und warum größer selten besser ist

Nutzbare statt nominaler Kapazität, Zyklen statt Jahre, Winterlücke statt Sommerbilanz: Woran Sie die passende Speichergröße erkennen und welche Angaben im Angebot stehen müssen.

Redaktion Bundessolar2 Min. Lesezeit
Bundessolar

Beim Batteriespeicher wird häufiger zu viel gekauft als zu wenig. Das liegt an einer nachvollziehbaren Intuition — mehr Kapazität, mehr Unabhängigkeit — die im Jahresverlauf aber nicht aufgeht. Ein Speicher verdient nur dann Geld, wenn er regelmäßig voll wird und wieder leer geht.

Die Faustregel und ihre Grenzen

Als Ausgangspunkt gilt: etwa eine Kilowattstunde nutzbare Speicherkapazität je 1.000 Kilowattstunden Jahresstromverbrauch. Bei 5.000 kWh Verbrauch sind das rund 5 kWh. Zwei Korrekturen gehören dazu:

  • Nach unten, wenn ein großer Teil des Verbrauchs tagsüber anfällt — etwa bei Homeoffice oder Wärmepumpe mit Tagbetrieb.
  • Nach oben, wenn abends geladen wird, etwa das E-Auto nach Feierabend, oder wenn Notstromfähigkeit gewünscht ist.

Nutzbar ist nicht gleich nominal

Hersteller geben oft die Bruttokapazität an. Nutzbar sind je nach Zelltechnik und Entladetiefe 90 bis 95 Prozent davon. Ein Speicher mit 10 kWh nominal liefert also etwa 9 bis 9,5 kWh. Vergleichen Sie in Angeboten ausschließlich die nutzbare Kapazität — sonst vergleichen Sie Marketingzahlen.

Der Wirkungsgrad frisst mit

Jede Kilowattstunde, die durch den Speicher läuft, verliert beim Laden und Entladen zwischen fünf und zwölf Prozent. Dieser Round-Trip-Wirkungsgrad steht im Datenblatt und ist ein echter Kostenfaktor: Bei 300 Vollzyklen im Jahr und 10 kWh Kapazität macht der Unterschied zwischen 88 und 95 Prozent rund 200 Kilowattstunden pro Jahr aus.

Garantie: Zyklen, Jahre, Restkapazität

Eine belastbare Garantie nennt alle drei Größen — zum Beispiel zehn Jahre oder 8.000 Zyklen bei mindestens 80 Prozent Restkapazität, je nachdem was zuerst eintritt. Fehlt die Restkapazität, ist die Garantie wenig wert: Ein Speicher mit 50 Prozent Restkapazität ist technisch funktionsfähig und wirtschaftlich wertlos.

Die Winterlücke akzeptieren

Von November bis Februar liefert eine Dachanlage in Deutschland einen Bruchteil des Sommerertrags. Kein sinnvoll dimensionierter Hausspeicher überbrückt diese Monate — dafür wären Kapazitäten im dreistelligen Kilowattstundenbereich nötig. Wer Autarkie über das ganze Jahr verspricht, verkauft eine Erzählung, keine Anlage.

Notstrom kostet extra

Unterscheiden Sie drei Stufen: eine einzelne Notstromsteckdose am Speicher, eine Ersatzstromversorgung ausgewählter Stromkreise und die vollständige Inselfähigkeit des Hauses. Die Preisspanne reicht von wenigen hundert bis zu mehreren tausend Euro, weil Netztrennstelle und Umschalteinrichtung dazugehören. Diese Funktion muss ausdrücklich im Angebot stehen.

Was ins Angebot gehört

  • nutzbare Kapazität in kWh, nicht nur nominal
  • maximale Lade- und Entladeleistung in kW
  • Round-Trip-Wirkungsgrad
  • Garantiedauer, Zyklenzahl und garantierte Restkapazität
  • AC- oder DC-Kopplung und die Frage der Nachrüstbarkeit
  • Notstromfunktion mit Umfang und Umschaltzeit

Wenn diese sechs Angaben vorliegen, lassen sich Speicherangebote in wenigen Minuten sauber gegeneinanderstellen.

Alle Angaben sind sorgfältig recherchiert und geben Größenordnungen wieder. Förderbedingungen und gesetzliche Vorgaben ändern sich — maßgeblich ist der jeweils aktuelle Stand der zuständigen Stellen. Dieser Text ersetzt keine individuelle Beratung.

Vom Lesen zum Rechnen

Jetzt Zahlen für Ihr Haus.

Beschreiben Sie Ihr Vorhaben in drei Minuten — drei Fachbetriebe aus Ihrer Region rechnen unabhängig voneinander.