Die Frage nach der richtigen Anlagengröße wird oft zu kompliziert beantwortet. Für den Einstieg genügen drei Zahlen: Ihr Jahresstromverbrauch, die belegbare Dachfläche und das, was in den nächsten Jahren dazukommen soll. Damit landen Sie erfahrungsgemäß sehr nah an dem, was ein Fachbetrieb später auch rechnet.
Schritt 1: Jahresverbrauch feststellen
Nehmen Sie die letzte Jahresabrechnung Ihres Stromanbieters, nicht den Abschlag. Ein Zwei-Personen-Haushalt liegt typischerweise bei 2.500 bis 3.500 Kilowattstunden, eine vierköpfige Familie im Einfamilienhaus bei 4.000 bis 5.000. Elektrische Warmwasserbereitung schlägt mit weiteren 1.000 bis 1.500 kWh zu Buche.
Schritt 2: Grundgröße bestimmen
Die Faustregel lautet: rund ein Kilowatt Peak je 1.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Bei 4.500 kWh sind das etwa 4,5 kWp als reine Verbrauchsdeckung. Weil Erzeugung und Verbrauch aber zeitlich auseinanderfallen, liegt die wirtschaftlich sinnvolle Größe fast immer darüber — üblicherweise beim Anderthalb- bis Doppelten.
Schritt 3: Zukunft einrechnen
Hier entscheidet sich, ob Sie die Anlage in fünf Jahren bereuen. Planen Sie Zuschläge:
- Wärmepumpe: plus 3 bis 5 kWp, abhängig von Wärmebedarf und Jahresarbeitszahl
- E-Auto: plus 2 bis 3 kWp bei 12.000 Jahreskilometern
- Klimaanlage oder Pool: plus 1 bis 2 kWp
Ein Haushalt mit 4.500 kWh Verbrauch, geplanter Wärmepumpe und einem E-Auto landet damit bei 11 bis 14 kWp — und nicht bei den 4,5 kWp aus der reinen Verbrauchsrechnung.
Schritt 4: Passt das aufs Dach?
Rechnen Sie mit etwa fünf Quadratmetern nutzbarer Dachfläche je Kilowatt Peak. Für 12 kWp brauchen Sie also rund 60 Quadratmeter zusammenhängende Fläche. Abzuziehen sind Dachfenster, Gauben, Schornsteine, Antennen sowie die Randbereiche, die aus Windlastgründen frei bleiben müssen.
Reicht das Hauptdach nicht, kommen Garage, Carport oder Nebendach infrage. Wichtig ist dann, den Leitungsweg bis zum Zählerschrank mit einzuplanen — bei getrennten Gebäuden ist das die teuerste Einzelposition.
Wann kleiner sinnvoll ist
Es gibt Fälle, in denen weniger die bessere Wahl ist: stark verschattete Dächer, sehr geringer Verbrauch ohne Ausbaupläne oder eine Dachfläche, die in wenigen Jahren ohnehin saniert wird. In den letzten Fall gehört die ehrliche Empfehlung, die Anlage bis zur Sanierung zu verschieben — Abbau und Wiederaufbau kosten fast so viel wie eine Neumontage.
Die Gegenprobe
Multiplizieren Sie die geplante Anlagengröße mit dem spezifischen Ertrag Ihrer Region — je nach Standort 950 bis 1.150 kWh je kWp. Eine 12-kWp-Anlage in Süddeutschland liefert damit rund 13.000 kWh im Jahr. Liegt dieser Wert weit über Ihrem gesamten künftigen Verbrauch, ist die Anlage zu groß geplant: Der Überschuss geht zur Einspeisevergütung ins Netz, und die trägt heute nur noch einen kleinen Teil der Wirtschaftlichkeit.