Wer aus dem Ausland nach Deutschland gezogen ist und ein Haus gekauft hat, merkt schnell: Eine Solaranlage ist hier technisch nichts Besonderes, sprachlich aber eine Herausforderung. Angebote, Formulare und Schreiben kommen auf Deutsch, voller Fachbegriffe, die selbst Einheimische nicht immer kennen. Dieser Beitrag erklärt die wichtigsten Begriffe mit ihren englischen Entsprechungen und zeigt den Ablauf vom ersten Angebot bis zur laufenden Anlage. Er richtet sich an alle, die neu im Land sind — und an alle, die Freunden oder Kollegen das System erklären wollen.
Wer im deutschen Stromsystem welche Rolle spielt
Das Stromsystem ist in Deutschland auf mehrere Akteure verteilt, die in anderen Ländern manchmal in einer Hand liegen. Für eine Solaranlage sind drei wichtig:
- Netzbetreiber (grid operator, distribution system operator): Betreibt das örtliche Stromnetz. Bei ihm wird die Anlage angemeldet, er zahlt die Vergütung für eingespeisten Strom. Wer Ihr Netzbetreiber ist, steht auf der Stromrechnung oder lässt sich über die Postleitzahl herausfinden.
- Stromlieferant (electricity supplier): Das Unternehmen, von dem Sie Strom kaufen. Es ist frei wählbar und meist nicht identisch mit dem Netzbetreiber.
- Messstellenbetreiber (meter operator): Zuständig für den Stromzähler. Häufig ist das der Netzbetreiber selbst, es kann aber auch ein anderes Unternehmen sein.
Kleines Glossar: Deutsch — Englisch
- Photovoltaikanlage, PV-Anlage: solar PV system.
- Solarthermie: solar thermal — Kollektoren für warmes Wasser, nicht für Strom. Wird oft verwechselt.
- Wechselrichter: inverter. Wandelt den Gleichstrom der Module in haushaltsüblichen Wechselstrom.
- Stromspeicher, Batteriespeicher: home battery.
- Kilowatt-Peak (kWp): die Nennleistung der Module unter Standardbedingungen, die übliche Größenangabe einer Anlage.
- Eigenverbrauch: self-consumption — der Anteil des Solarstroms, den Sie selbst nutzen.
- Einspeisung, Einspeisevergütung: feed-in, feed-in tariff — Strom, der ins Netz fließt, und die Vergütung dafür.
- Zählerschrank: meter cabinet — häufig muss er für die Anlage modernisiert werden.
- Zweirichtungszähler: bidirectional meter — misst Bezug und Einspeisung getrennt.
- Inbetriebnahme: commissioning — der offizielle Start der Anlage.
- Marktstammdatenregister: das zentrale Register der Bundesnetzagentur, in dem jede Anlage eingetragen werden muss.
- Elektrofachbetrieb: licensed electrical contractor — nur eingetragene Betriebe dürfen eine Anlage ans Netz anschließen.
Auch auf der Stromrechnung stehen Begriffe, die mit einer Solaranlage wichtiger werden. Der Abschlag ist die monatliche Vorauszahlung (monthly instalment), die Jahresabrechnung die Abrechnung nach dem tatsächlichen Verbrauch (annual statement). Sinkt der Strombezug durch die Anlage, lohnt es sich, den Abschlag anpassen zu lassen, statt ein Jahr lang zu viel vorauszuzahlen.
Der Ablauf in sechs Schritten
- 1. Angebote einholen: Mehrere Fachbetriebe besichtigen Dach und Zählerschrank und machen ein Angebot. Fragen Sie ruhig, ob die Beratung auf Englisch möglich ist; viele Betriebe in größeren Städten bieten das an. Der Vertrag selbst ist meist trotzdem auf Deutsch.
- 2. Vertrag und Planung: Nach der Unterschrift plant der Betrieb die Belegung und stellt in der Regel die Anfrage beim Netzbetreiber.
- 3. Montage: Gerüst, Module, Wechselrichter, Verkabelung. Bei einem Einfamilienhaus dauert das meist wenige Tage.
- 4. Zähler und Anschluss: Der Zähler wird bei Bedarf gegen einen Zweirichtungszähler getauscht, der Elektrofachbetrieb schließt die Anlage an.
- 5. Inbetriebnahme und Register: Der Betrieb erstellt ein Inbetriebnahmeprotokoll. Danach muss die Anlage im Marktstammdatenregister eingetragen werden — das ist Pflicht des Betreibers, also Ihre, auch wenn viele Betriebe dabei helfen. Die Einzelheiten stehen in unserem Beitrag zur Anmeldung im Marktstammdatenregister.
- 6. Steuern klären: Kleine Anlagen auf Wohnhäusern sind nach aktueller Rechtslage steuerlich weitgehend entlastet. Ob in Ihrem Fall etwas zu melden ist, klären Sie am besten mit einer Steuerberatung, die auch Zugezogene betreut.
Typische Stolpersteine für Neuankömmlinge
- Fristen in Schreiben: Behörden- und Netzbetreiberschreiben enthalten oft Fristen. Lassen Sie sie im Zweifel übersetzen, statt sie liegen zu lassen.
- Haustürverkäufer: Zugezogene werden nicht seltener angesprochen als andere. Unterschreiben Sie nichts an der Haustür, das Sie nicht vollständig verstanden haben.
- Eigentümergemeinschaft: Wer eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus besitzt, braucht für eine Dachanlage in der Regel die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft. Für Wohnungen gibt es mit dem Balkonkraftwerk eine einfachere Alternative.
- Mietwohnung: Wer zur Miete wohnt, kann keine Dachanlage bauen, aber meist ein Steckersolargerät betreiben — mit Zustimmung des Vermieters.
Ein Stück Heimat für internationale Fans
Viele, die neu nach München kommen, finden über den Fußball schnell Anschluss — im Stadion, im Wirtshaus oder im Verein. Für internationale Anhänger des TSV 1860 München gibt es mit 1860archive.com eine englischsprachige Trikot-Chronik der Löwen, die zeigt, welche Trikots es in den letzten Spielzeiten gab und was davon im offiziellen Fanshop noch erhältlich ist. So verschieden Fußball und Solarstrom sind, sie haben eines gemeinsam: Wer die Begriffe kennt, fühlt sich schneller zu Hause.
Was Neuankömmlinge oft fragen
Muss ich Deutsch sprechen, um eine Solaranlage zu kaufen?
Nicht zwingend. Viele Betriebe beraten auch auf Englisch. Verträge und Formulare sind aber in der Regel auf Deutsch; lassen Sie sich wichtige Punkte im Zweifel übersetzen oder erklären.
Darf ich die Anlage selbst ans Netz anschließen?
Nein. Den Anschluss ans Netz darf nur ein Elektrofachbetrieb vornehmen, der im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist — unabhängig davon, welche Ausbildung Sie selbst mitbringen.
Brauche ich ein deutsches Bankkonto für die Einspeisevergütung?
In aller Regel nicht. Der Netzbetreiber überweist die Vergütung, und ein Konto im SEPA-Raum genügt normalerweise. Fragen Sie im Zweifel bei der Anmeldung nach, welche Angaben er braucht.
