Stromkosten beim Lernen am Bildschirm: was Laptop, Monitor und Router wirklich verbrauchen
Digitales Lernen gilt als Stromfresser. Die Rechnung sagt etwas anderes: Der Unterricht selbst kostet ein Vielfaches dessen, was die Geräte verbrauchen. Was Eltern trotzdem wissen sollten.
Seit Schulaufgaben, Lernplattformen und Nachmittagsunterricht am Bildschirm stattfinden, taucht in Haushalten mit Schulkindern eine neue Frage auf: Was kostet das eigentlich an Strom? Die Antwort fällt nüchterner aus, als die Frage vermuten lässt - und sie hilft dabei, größere Posten von kleinen zu unterscheiden.
Die Leistungsaufnahme der Geräte
Grundlage jeder Rechnung ist die tatsächliche Leistungsaufnahme im Betrieb, nicht die Angabe auf dem Netzteil. Ein Netzteil mit 65 Watt ist auf Spitzenlast ausgelegt; im Alltag liegt der Verbrauch deutlich darunter.
- Notebook, 14 bis 16 Zoll: 25 bis 60 Watt, je nach Auslastung und Ladezustand
- Tablet: 5 bis 12 Watt
- externer Monitor, 24 Zoll: 15 bis 25 Watt
- LED-Schreibtischleuchte: 6 bis 10 Watt
- WLAN-Router: 8 bis 12 Watt, allerdings rund um die Uhr
- Multifunktionsdrucker im Bereitschaftsbetrieb: 2 bis 5 Watt
Die Jahresrechnung
Angenommen, ein Kind arbeitet an Schultagen zwei Stunden am Notebook, dazu ein zweiter Bildschirm und eine Schreibtischleuchte. Das sind rund 73 Watt über etwa 400 Stunden im Schuljahr, also gut 29 Kilowattstunden. Bei einem Arbeitspreis von 35 Cent je Kilowattstunde ergibt das etwa zehn Euro im Jahr.
Der Router fällt aus dem Rahmen, weil er durchläuft: Zehn Watt über 8.760 Stunden sind 88 Kilowattstunden und damit rund 31 Euro - ein Posten, der aber ohnehin anfällt und dem Lernen nicht zuzurechnen ist. Wer die Geräte nachts vom Netz nimmt, spart am Standby, nicht am Unterricht.
Zum Vergleich: Ein Wäschetrockner verbraucht in einem Durchgang so viel wie das Notebook in etwa 40 Stunden. Die Position Lernen am Bildschirm ist in der Stromrechnung eines Haushalts mit Schulkindern schlicht keine relevante Größe.
Warum der Nachmittag für PV-Haushalte günstig liegt
Interessanter als die Höhe ist die Uhrzeit. Der Verbrauch fällt zwischen 14 und 18 Uhr an, also in einem Zeitfenster, in dem eine Photovoltaikanlage von Frühjahr bis Herbst noch liefert. Für Haushalte mit eigener Anlage bedeutet das: Der Strom für die Lernstunden stammt in weiten Teilen des Jahres aus dem eigenen Dach und ist damit mit den Gestehungskosten der Anlage zu bewerten, nicht mit dem Arbeitspreis des Versorgers.
Im Winter kehrt sich das um. Zwischen November und Februar liegt der Lernnachmittag im Dunkeln oder in der Dämmerung, die Erzeugung ist gering, und der Bedarf kommt aus dem Netz. Ein Speicher verschiebt hier wenig, weil er an denselben trüben Tagen nicht gefüllt wird. Wer seine Anlage plant, sollte den Nachmittagsverbrauch deshalb nicht überbewerten - er ist klein, und er ist im Sommer ohnehin gedeckt.
Wer prüfen möchte, wie sich der eigene Verbrauch mit einer Anlage decken lässt: Ein Formular, 3 Angebote.
Die Verhältnisse: zehn Euro Strom, hundertfache Unterrichtskosten
Die Rechnung bekommt erst Gewicht, wenn man sie neben die eigentlichen Kosten stellt. Nach einer Auswertung von gut 35.000 Angeboten, die der Anbieter Nachhilfe Wow in seinen Marktzahlen zu Nachhilfepreisen veröffentlicht, liegt der Median in Deutschland bei 20 Euro je Zeitstunde, mit einer Spanne von 17 bis 23 Euro zwischen den Bundesländern. Ein Schuljahr mit zwei Wochenstunden summiert sich damit auf etwa 1.520 Euro.
Anders gesagt: Der Strom für ein ganzes Lernjahr kostet weniger als eine halbe Unterrichtsstunde. Wer bei den Kosten für Bildung sparen will, sollte deshalb über Stundenumfang, Gruppengröße und Vertragsbindung nachdenken - nicht über die Wattzahl des Notebooks.
Wo sich Sparen wirklich lohnt
Drei Posten im Haushalt mit Schulkindern sind größer als alle Bildschirme zusammen:
- Warmwasser und Heizung. Ein zusätzlich beheiztes Arbeitszimmer verändert die Energiebilanz stärker als jedes Endgerät.
- Fahrten. Zwei Wege pro Woche zu einem Nachmittagstermin und zurück kosten je nach Entfernung ein Vielfaches der Gerätekosten - an Sprit oder Ticket und an Zeit.
- Altgeräte im Dauerbetrieb. Ein zehn Jahre alter Desktop-PC mit dedizierter Grafikkarte zieht im Leerlauf mehr als das gesamte oben gerechnete Setup unter Last.
Für die Stromrechnung heißt das: Die sinnvollen Hebel liegen bei Heizung, Warmwasser und alten Dauerläufern. Für das Familienbudget heißt es: Die relevanten Beträge entstehen bei den Verträgen, nicht an der Steckdose.
16. September 2026 · 6 Min. Lesezeit