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Plug-in-Hybrid mit Solarstrom laden: Was Akkugröße, Ladetechnik und Ladezeitfenster entscheiden

Kleine Batterie oder große, ein- oder dreiphasig, mittags zu Hause oder nicht: Wie Sie einen Plug-in-Hybrid mit Überschuss vom eigenen Dach laden und was die PV-Anlage dafür braucht.

Redaktion Bundessolar5 Min. Lesezeit
Wallbox an der Wand eines Carports, Ladekabel mit einem Elektroauto verbunden

Ein Plug-in-Hybrid passt auf den ersten Blick gut zu einer Solaranlage: Die Batterie ist klein genug, um sie an einem sonnigen Tag vollständig aus eigenem Strom zu laden, und für lange Strecken springt der Verbrennungsmotor ein. In der Praxis entscheidet aber nicht nur die Anlage auf dem Dach, ob das klappt. Mindestens genauso wichtig sind die Größe der Fahrzeugbatterie, die Ladetechnik des Autos und die Frage, wann der Wagen überhaupt zu Hause steht. Hier die Punkte der Reihe nach.

Überschussladen: das Prinzip in zwei Sätzen

Beim Überschussladen misst ein Zähler am Netzanschluss, wie viel Solarstrom gerade nicht im Haus gebraucht wird. Eine regelbare Wallbox gibt genau diese Leistung an das Auto weiter und passt die Ladeleistung laufend an, wenn eine Wolke durchzieht oder im Haus der Backofen anspringt.

Der Haken liegt in einer technischen Untergrenze: Ein Ladevorgang nach dem üblichen Standard startet erst ab einem Ladestrom von 6 Ampere. Lädt das Fahrzeug einphasig, sind das rund 1,4 Kilowatt. Lädt es dreiphasig, braucht es schon gut 4 Kilowatt Überschuss, bevor überhaupt etwas fließt. Liegt der Überschuss darunter, muss die Wallbox entweder pausieren oder den fehlenden Teil aus dem Netz oder dem Hausspeicher ergänzen. Wallboxen mit Phasenumschaltung wechseln deshalb bei wenig Sonne auf eine Phase und bei viel Sonne auf drei.

Wie das Auto lädt, ist wichtiger als die Wallbox

Viele Plug-in-Hybride laden zu Hause mit deutlich weniger Leistung, als eine 11-Kilowatt-Wallbox bereitstellen könnte. Die Obergrenze setzt das Ladegerät im Fahrzeug. Ob es dabei eine, zwei oder drei Phasen nutzt, steht im Datenblatt — und diese Angabe sollten Sie kennen, bevor Sie eine Wallbox kaufen oder das Überschussladen einrichten.

Für den Solarbetrieb ist einphasiges Laden kein Nachteil, im Gegenteil: Die niedrige Einstiegsschwelle von etwa 1,4 Kilowatt wird auch an mäßig sonnigen Tagen erreicht. Allerdings ist einphasiges Laden am Hausanschluss in Deutschland in der Leistung begrenzt, üblicherweise auf 4,6 Kilovoltampere, um das Netz nicht ungleich zu belasten. Die genauen Vorgaben macht der Netzbetreiber. Die Ladezeit, die ein Hersteller für die Wallbox nennt, kann zu Hause deshalb länger ausfallen.

Kleiner Akku oder großer Akku?

Bei Plug-in-Hybriden reicht die Spanne der Batteriegrößen inzwischen von rund zehn bis über dreißig Kilowattstunden. Für das Laden mit Solarstrom bedeutet das zwei unterschiedliche Strategien.

  • Kleine Batterie: Sie ist an einem sonnigen Tag in wenigen Stunden voll. Das ist praktisch, solange das Auto in dieser Zeit zu Hause steht. Danach nimmt es nichts mehr auf, und der weitere Überschuss geht ins Netz oder in andere Verbraucher. Wer werktags mit dem Auto zur Arbeit fährt, kann den Solarstrom vor allem am Wochenende nutzen.
  • Große Batterie: Sie ist seltener ganz voll und kann einen ganzen Sonnentag aufnehmen, manchmal mehr. Das gleicht Tage aus, an denen das Auto unterwegs war oder der Himmel bedeckt blieb. Dafür dauert eine volle Ladung mit Hausstrom deutlich länger, und an trüben Tagen wird die Batterie mit Überschuss allein oft nicht voll.

Ein Beispiel für die größere Klasse ist der OMODA 9 als Plug-in-Hybrid: Für ihn werden eine Batterie mit 34,5 Kilowattstunden und bis zu 145 Kilometer elektrische Reichweite nach WLTP angegeben, an der Wallbox lädt er mit höchstens 6,6 Kilowatt Wechselstrom. Eine volle Ladung dauert dort laut Anbieterangabe etwa 330 Minuten. Mit Solarüberschuss allein verteilt sich eine volle Ladung deshalb oft auf mehrere Tage.

Welche Größe besser passt, hängt weniger von der Solaranlage ab als vom Fahrprofil. Wer täglich kurze Strecken fährt und abends zu Hause ist, kommt mit einer kleinen Batterie gut zurecht. Wer längere Pendelstrecken hat oder unregelmäßig fährt, profitiert von dem Puffer einer großen.

Ladezeitfenster: wann die Sonne und das Auto zusammenkommen

Die ertragreichen Stunden liegen bei einer Südanlage um die Mittagszeit, bei Ost-West-Dächern verteilt sich der Ertrag über einen längeren Abschnitt des Tages. Im Sommer ist dieses Fenster lang, im Winter reicht der Überschuss oft nur für die Grundlast des Hauses. Daraus ergeben sich drei typische Situationen:

  • Auto steht tagsüber zu Hause — Homeoffice, Zweitwagen, Ruhestand: Das ist der günstigste Fall, die Batterie lädt fast vollständig aus Solarstrom.
  • Auto ist werktags unterwegs: Dann bleiben Wochenenden, Feiertage und Urlaubstage. Eine große Batterie hilft, weil sie am Samstag mehr aufnimmt, als unter der Woche verbraucht wurde.
  • Auto kommt erst abends zurück: Hier lädt die Wallbox aus dem Netz oder aus einem Hausspeicher. Ob es sich lohnt, den Hausspeicher dafür zu leeren, hängt von seiner Größe ab — meist ist er für den Abendverbrauch des Hauses gedacht.

Gute Wallboxen bieten mehrere Lademodi: nur Überschuss, Überschuss mit Mindestleistung aus dem Netz, sofort mit voller Leistung und oft ein Ziel wie „bis morgen früh 60 Kilometer“. Beim Plug-in-Hybrid ist der reine Überschussmodus entspannter als beim reinen Elektroauto, weil eine halb volle Batterie nie zum Problem wird — für die nächste lange Strecke steht ohnehin der Tank bereit.

Was die PV-Anlage dafür braucht

  • Genug Leistung über der Grundlast: Der Überschuss muss die Einstiegsschwelle der Ladung übersteigen, nachdem Kühlschrank, Router und alles Weitere versorgt sind. Bei kleinen Anlagen klappt das an vielen Tagen nur einphasig.
  • Messung am Netzanschluss: Ohne Zähler oder Energiemanager, der den Überschuss erkennt, kann die Wallbox nicht regeln.
  • Eine Wallbox, die mit der Anlage spricht: Nicht jede Wallbox versteht jeden Wechselrichter. Kompatibilität vorher klären, besonders wenn beides von verschiedenen Herstellern stammt.
  • Eine klare Reihenfolge: Soll zuerst der Hausspeicher voll werden oder das Auto? Das legt man im Energiemanagement fest. Für einen Plug-in-Hybrid mit kleiner Batterie ist „Auto zuerst“ an Tagen sinnvoll, an denen er mittags zu Hause steht.
  • Anmeldung beim Netzbetreiber: Wallboxen bis 11 Kilowatt müssen angemeldet werden, darüber braucht es eine Genehmigung. Neu installierte Ladepunkte mit mehr als 4,2 Kilowatt gelten zudem als steuerbare Verbrauchseinrichtung; der Netzbetreiber darf die Leistung in Engpässen zeitweise drosseln, dafür sinken die Netzentgelte. Welche Variante sich für Sie rechnet, klären Sie mit dem Fachbetrieb.

Wie stark ein Auto die Größe der Anlage beeinflusst, zeigt unser Beitrag zur Berechnung der PV-Anlagengröße. Technische Grundlagen zu Ladepunkten stehen auf der Themenseite Wallbox.

Realistische Erwartungen

Ein Plug-in-Hybrid wird mit Solarstrom nicht das ganze Jahr über zum Nullkostenauto. Von Frühjahr bis Herbst lässt sich ein großer Teil der elektrischen Kilometer aus dem eigenen Dach decken, wenn Fahrprofil und Ladezeitfenster zusammenpassen. Im Winter kommt der Strom überwiegend aus dem Netz. Entscheidend ist, dass der Wagen regelmäßig geladen wird: Ein Plug-in-Hybrid, der selten am Kabel hängt, fährt vor allem mit Benzin — dann hilft auch die beste Solaranlage nichts.

Wer noch plant, sollte die Fragen in dieser Reihenfolge stellen: Wann steht das Auto zu Hause? Wie lädt es — ein- oder dreiphasig, mit welcher Leistung? Und erst dann: Wie groß müssen Anlage und gegebenenfalls Speicher sein? So passen Dach, Wallbox und Auto zusammen, statt sich gegenseitig auszubremsen.

Alle Angaben sind sorgfältig recherchiert und geben Größenordnungen wieder. Förderbedingungen und gesetzliche Vorgaben ändern sich — maßgeblich ist der jeweils aktuelle Stand der zuständigen Stellen. Dieser Text ersetzt keine individuelle Beratung.

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