In vielen Städten und Gemeinden prägen sie ganze Straßenzüge: Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften und Siedlungshäuser aus den 1960er-Jahren. Sie stehen oft auf großzügigen Grundstücken, haben schlichte Satteldächer und eignen sich auf den ersten Blick gut für Photovoltaik. Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass ein Haus aus dieser Zeit ein paar Fragen mitbringt, die bei einem Neubau nie auftauchen. Dieser Beitrag geht sie der Reihe nach durch — vom Dachstuhl bis zum Sicherungskasten.
Ein Haus aus einer anderen Zeit
Die 1960er waren eine Zeit des schnellen Bauens. Es wurde solide, aber sparsam gebaut, nach den Regeln und mit den Materialien jener Jahre. Niemand hat damals an zusätzliche Lasten auf dem Dach oder an eine Stromerzeugung im eigenen Haus gedacht. Auch an Ladestationen und Wärmepumpen war nicht zu denken. Das bedeutet nicht, dass diese Häuser ungeeignet sind. Es bedeutet nur, dass man genauer hinsehen muss.
Der Dachstuhl: trägt er die zusätzliche Last?
Solarmodule samt Unterkonstruktion bringen zusätzliches Gewicht aufs Dach, dazu kommen Wind- und Schneelasten, die auf eine größere Fläche wirken. Viele Dachstühle aus dieser Zeit sind ausreichend dimensioniert, aber das sollte nicht geschätzt, sondern geprüft werden. Typische Punkte:
- Sparrenabstand und -querschnitt: Sie bestimmen, wo und wie die Dachhaken befestigt werden können.
- Feuchteschäden: Holz, das über Jahre Feuchtigkeit abbekommen hat, kann geschwächt sein. Ein Blick in den Dachboden mit der Taschenlampe ist ein guter Anfang.
- Frühere Umbauten: Gauben, Dachfenster oder ein ausgebautes Dachgeschoss haben die Statik manchmal verändert, ohne dass das dokumentiert wurde.
Im Zweifel lohnt sich eine statische Einschätzung durch einen Tragwerksplaner oder einen erfahrenen Zimmerer. Seriöse Solarbetriebe fragen bei älteren Dächern von sich aus danach.
Die Eindeckung: Ziegel, Betonstein — oder Faserzement?
Bei der Dachhaut kommt es auf das Material und seinen Zustand an. Tondachziegel und Betondachsteine aus dieser Zeit sind oft noch in Ordnung, können aber spröde geworden sein. Brechen beim Begehen mehrere Ziegel, ist das ein Zeichen, dass die Eindeckung nicht mehr lange hält.
Besondere Vorsicht ist bei Wellplatten oder Dachschindeln aus Faserzement geboten. Bis zum Verbot im Jahr 1993 wurden solche Platten in Deutschland häufig mit Asbest hergestellt. Auf einem asbesthaltigen Dach darf nicht einfach gebohrt, gesägt oder montiert werden. Ob Asbest enthalten ist, klärt eine Materialprobe; der Rückbau ist Sache spezialisierter Fachbetriebe. In diesem Fall wird die Solaranlage meist zum Anlass, das Dach vorher zu erneuern.
Wenn das Dach ohnehin dran ist
Eine Dachsanierung und eine Solaranlage gehören zeitlich zusammen. Ein neues Dach hält mehrere Jahrzehnte, ähnlich lange wie die Module. Wer eine noch funktionierende, aber alte Eindeckung belegt, muss die Anlage womöglich in einigen Jahren für die Sanierung wieder abbauen lassen — mit Kosten für Demontage, Lagerung und erneute Montage.
Wird ohnehin saniert, lässt sich auch die Dämmung verbessern, die in vielen Häusern dieser Generation dünn ist oder ganz fehlt. Für energetische Sanierungen gibt es unter bestimmten Voraussetzungen staatliche Förderung; die Bedingungen ändern sich regelmäßig und sollten vor der Beauftragung geprüft werden.
Zählerschrank und Elektroinstallation
Der zweite große Prüfpunkt sitzt im Keller oder im Flur. Zählerschränke aus den 1960ern entsprechen in aller Regel nicht mehr den heutigen technischen Anschlussbedingungen der Netzbetreiber. Für eine Solaranlage wird der Zählerplatz deshalb häufig erneuert. Das ist ein üblicher Posten im Angebot, kein Zeichen für ein überteuertes Angebot.
Auch die Hausinstallation verdient einen Blick: Alte Leitungen, fehlende Fehlerstromschutzschalter oder eine Verteilung mit Schraubsicherungen sind in Häusern dieser Zeit keine Seltenheit. Eine Elektrofachkraft kann einschätzen, ob die vorhandene Installation ausreicht oder ob Teile erneuert werden sollten. Wie Überspannungsschutz und Potentialausgleich bei einer neuen Anlage aussehen sollten, beschreibt unser Beitrag Blitzschutz und Erdung bei Photovoltaik.
Ein Blick zurück ins Jahr 1966
Für viele dieser Häuser liegt der Baubeginn rund sechzig Jahre zurück — in einer Zeit, an die Fußballanhänger in München gern erinnern. Der TSV 1860 München wurde 1966 Deutscher Meister, und zum sechzigsten Jubiläum trägt das Home Heritage Trikot der Saison 26/27 die Namen der damaligen Mannschaft im Stoff; mehr dazu zeigt shop1860.de mit dem Heritage-Trikot mit den Meisternamen von 1966. Ein Haus aus jener Zeit verdient denselben respektvollen Umgang: das Bewährte erhalten und mit heutiger Technik für die nächsten Jahrzehnte fit machen.
Prüfliste für Häuser aus den 1960ern
- Dachboden ansehen: Feuchte, Risse, frühere Umbauten.
- Material der Eindeckung bestimmen, bei Faserzement eine Asbestprobe veranlassen.
- Alter und Zustand der Eindeckung einschätzen: hält sie noch so lange wie die Module?
- Statische Einschätzung des Dachstuhls einholen, wenn Zweifel bestehen.
- Zählerschrank und Hausinstallation von einer Elektrofachkraft prüfen lassen.
- Dachsanierung, Dämmung und Solaranlage gemeinsam planen und Fördermöglichkeiten vorab klären.
Fragen von Eigentümern älterer Häuser
Ist eine Solaranlage auf einem alten Haus überhaupt sinnvoll?
Häufig ja. Gerade ältere Häuser haben oft großzügige, unverschattete Dachflächen. Entscheidend ist, dass Dach und Elektrik vorher geprüft und gegebenenfalls mitsaniert werden.
Wer bezahlt den neuen Zählerschrank?
Das trägt in der Regel der Eigentümer als Teil der Anlagenkosten. Fragen Sie im Angebot nach, ob der Umbau enthalten ist und was genau dazugehört.
Darf ich ein asbesthaltiges Dach selbst abdecken?
Davon ist dringend abzuraten. Arbeiten an asbesthaltigen Materialien unterliegen strengen Vorschriften und gehören in die Hände zugelassener Fachbetriebe.
