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Fassaden-Photovoltaik: Wann sich Module an der Wand rechnen

Senkrechte Module liefern rund 70 Prozent des Dachertrags — dafür mehr im Winter. Erträge, Kosten und Genehmigung von Fassaden-PV im Überblick.

Redaktion Bundessolar3 Min. Lesezeit
Einfamilienhaus mit vollflächig belegter Photovoltaikanlage auf dem Satteldach

Wer über Photovoltaik nachdenkt, denkt an das Dach. Die Fassade kommt meist erst ins Spiel, wenn das Dach nicht reicht, nicht darf oder nicht kann. Diese Rechnung lohnt sich trotzdem — sie fällt nur anders aus, als viele erwarten.

Wie viel Strom liefert eine senkrechte Anlage?

Der Ertrag hängt an Ausrichtung und Neigung. Als Faustwerte für Deutschland, bezogen auf ein Kilowatt installierter Leistung im Jahr:

AusrichtungJahresertrag je kWpAnteil vom Dachoptimum
Dach, Süd, 30 Grad950 – 1.050 kWh100 %
Fassade Süd, senkrecht620 – 720 kWhrund 70 %
Fassade Ost oder West, senkrecht450 – 550 kWhrund 50 %
Fassade Nord, senkrecht250 – 320 kWhrund 30 %

Diese Werte gelten für unverschattete Flächen. An der Fassade ist Verschattung durch Nachbarbebauung, Bäume, Balkone und Vordächer allerdings die Regel, nicht die Ausnahme — Abschläge von 10 bis 30 Prozent sind realistisch und gehören in jede Kalkulation.

Der Winter gleicht einiges aus

Die Jahressumme erzählt nur die halbe Geschichte. Im Dezember steht die Sonne so flach, dass eine senkrechte Südfassade an klaren Tagen mehr Strom liefert als ein flach geneigtes Dach. Für Haushalte mit Wärmepumpe ist das der eigentliche Grund, über die Fassade nachzudenken: Der Mehrertrag fällt genau dann an, wenn der Verbrauch am höchsten und der Strom am teuersten ist.

Ebenso praktisch ist die Tageskurve. Ost- und Westfassaden liefern morgens und abends, also zu den typischen Verbrauchszeiten im Haushalt. Der Eigenverbrauchsanteil liegt dadurch oft höher als bei einer reinen Südanlage, deren Mittagsspitze ohne Speicher überwiegend ins Netz geht.

Was es kostet

Die Modulkosten unterscheiden sich kaum vom Dach. Der Unterschied liegt in der Befestigung. Grobe Orientierung für eine nachgerüstete Fassadenanlage im Einfamilienhausbereich:

  • Module und Wechselrichter: vergleichbar mit einer Dachanlage, etwa 700 bis 900 Euro je kWp
  • Unterkonstruktion und Montage: deutlich höher, 500 bis 1.200 Euro je kWp je nach System und Zugänglichkeit
  • Gerüst: 8 bis 15 Euro je Quadratmeter Gerüstfläche, je nach Standzeit
  • Elektroinstallation: wie beim Dach, abhängig von Leitungsweg und Zählerplatz

Als Einzelmaßnahme liegt eine Fassadenanlage damit meist 30 bis 60 Prozent über dem Preis einer vergleichbaren Dachanlage — bei geringerem Ertrag. Als Teil einer ohnehin anstehenden Fassadensanierung kehrt sich die Rechnung: Gerüst und Unterkonstruktion fallen ohnehin an, und die Module ersetzen eine Bekleidung, die sonst gekauft werden müsste.

Auf die Bekleidung kommt es an

Technisch ist eine Fassadenanlage in den meisten Fällen eine vorgehängte hinterlüftete Fassade. Die Module hängen an einer Unterkonstruktion aus Aluminium oder Stahl, dahinter liegen Luftspalt und Dämmung. Wer diese Arbeit vergibt, sucht deshalb sinnvollerweise nicht nur nach einem Solarbetrieb, sondern nach einem Betrieb, der Fassaden montiert. Spezialisten für Metallfassaden- und VHF-Montage arbeiten täglich mit denselben Unterkonstruktionen, Toleranzen und Anschlussdetails; die Solartechnik ist dabei ein Bauteil unter mehreren. Bei einer Nachrüstung ohne Sanierung reicht dagegen meist ein Montagesystem des Modulherstellers, das der Solarbetrieb selbst setzt.

Genehmigung: früher fragen als beim Dach

Dachanlagen sind in den meisten Bundesländern genehmigungsfrei. Für die Fassade gilt das nicht automatisch, weil sie das Erscheinungsbild des Gebäudes verändert. Zu prüfen sind örtliche Gestaltungssatzungen, Bebauungspläne, im Bestand das Denkmalrecht und bei Reihen- oder Doppelhäusern gegebenenfalls Nachbarvereinbarungen. Ein kurzer Anruf beim Bauamt vor der Planung erspart die Diskussion nach der Montage.

Wann sich die Fassade lohnt — und wann nicht

  • Lohnt sich: Fassadensanierung steht ohnehin an; Dachfläche ist belegt, verschattet oder nicht nutzbar; hoher Winterverbrauch durch Wärmepumpe; Ost-West-Fassaden mit Verbrauch am Morgen und Abend.
  • Lohnt sich nicht: freie Dachfläche vorhanden; starke Verschattung durch Nachbarbebauung; reine Renditebetrachtung ohne Sanierungsanlass; Nordfassade als einzige Option.

Kurz: Die Fassade ist kein Ersatz für das Dach, sondern seine Ergänzung. Wo das Dach voll ist und die Fassade ohnehin angefasst wird, ist sie die naheliegendste unbenutzte Fläche am Gebäude.

Alle Angaben sind sorgfältig recherchiert und geben Größenordnungen wieder. Förderbedingungen und gesetzliche Vorgaben ändern sich — maßgeblich ist der jeweils aktuelle Stand der zuständigen Stellen. Dieser Text ersetzt keine individuelle Beratung.

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